Karate

Entwicklung und Geschichte des Karate

 

Karate als Selbstverteidigung wurzelt in dem chinesischen Boxen Ch’uan-fa (Kung-fu) oder Kempo, das noch heute in China ausgeübt wird und auf eine etwa 2000jährige Geschichte zurückblicken kann. Etwa ab 1600 entwickelte sich auf der Insel Okinawa, die schon immer mit China und Japan in Kontakt stand, eine Kampfkunst, die Okinawa-te (Okinawa-Hände) genannt wurde. Diese Kampfkunst war eine Kombination des von chinesischen Soldaten importierten Kempo mit einer eingeborenen Kampfkunst. Als in der Folgezeit durch politische Umschichtungen den Einwohnern von Okinawa jeglicher Waffenbesitz verboten wurde, nahm Okinawa-te einen ungeheuren Aufschwung wahr. Bis in unsere Zeit hinein wurde diese Kunst aber geheimgehalten, und es existieren auch (im Gegensatz zum chinesischen Kempo) keine geschichtlichen Aufzeichnungen oder gar Bücher über das alte Okinawa-te (Abb. 1).

okinawa_te

Der Mann, dessen Verdienst es ist, Okinawa-te zum heutigen, weltbekannten Karate entwickelt zu haben, ist Gichin Funakoshi, ein Einwohner Okinawas. Er unternahm Reisen nach Japan, wo die alten Kriegskünste eine große Renaissance erlebten. Mit seinen Demonstrationen (1917 und 1922) errang er große Erfolge und wurde ermuntert, seine Kunst in Japan zu lehren. Er reiste im Lande umher, gab Unterricht und Vorführungen. Viele große Universitäten baten ihn, ihnen beim Aufbau von Karategruppen zu helfen. Es war etwa um 1900, als auf Okinawa der Wert der Kampfkunst Okinawa-te für die Erziehung erkannt wurde und diese Kunst an den Mittelschulen eingeführt wurde. Damals wurde zum ersten Male der Name KARATE anstelle von Okinawa-te gewählt (Abb. 2) Dabei bedeutet das erste Schriftzeichen (Kara) China, so daß die damalige Übersetzung etwa „Kunst aus China“ (genauer: China-Hand) bedeutete, Meister Funakoshi hielt sich in der Folgezeit nur in Japan auf. Er systematisierte das Karate unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten und ermöglichte es auch später, daß im Karate gefahrlose Wettkämpfe abgehalten werden konnten.

karate_klein

In der Zeit, als Funakoshi nach Japan kam, wurden die japanischen Kampfkünste Jiu-Jitsu (Judo) und Kendo (Schwertfechten) viel geübt. Karate übernahm bald viele Elemente dieser beiden Künste, und damit war der Grundstein gelegt zur Entwicklung zum heutigen modernen japanischen Karate. Später änderte Funakoshi den Namen seiner nun neuen Kampfkunst von „China-Hände“ in „Leere-Hände“.

Das Schriftzeichen für „leer“ oder „unbewaffnete“ wird auch „Kara“ gelesen, das Schriftzeichen für „Hand“ oder ,,Hände“ blieb. Als das Karate in Japan einen so großen Aufschwung erlebte, kamen bald noch andere Karatemeister von Okinawa und von China nach Japan, um Unterricht zu geben. Es entwickelten sich nun in der Folgezeit in Japan eine Menge anderer Karate-Systeme, die zwar in der Technik oft voneinander abweichen, in ihrem Wesen aber gleich sind.

Karate wird heute unter drei Gesichtspunkten betrieben: als Selbstverteidigung, als Sport und als Weg zur körperlichen und geistigen Meisterung des Ichs. Das zeigt uns schon, daß das wahre Wesen des Karate weit tiefer liegt als nur etwa darin, sich verteidigen zu können.

Oberstes Ziel in der Kunst des Karate ist nicht Sieg oder Niederlage, der wahre Karatekämpfer erstrebt die Vervollkommnung seines Charakters.

Textquelle: Karate 2 von Albrecht Pflüger ISBN 3 8068 02394

 

Karate als (Lebens-) Philosophie

Die Philosphie des Karate-Do
(von Dr. Mitsuru Furusawa)

Das höchste Ziel im Karate ist es, einen von der eigenen Person gelösten Geisteszustand absoluter Neutralität und Ruhe zu erlangen. Wenn man also Karate ausübt, sollte man dies mit einer freien und großzügigen Haltung tun, um so in den Zustand gelöster Ruhe zu gelangen, den Karate ausmacht.

Ursprünglich wurde Karate als eine Kampftechnik entwickelt, aus der später eine Selbstverteidigungskunst wurde. Nunmehr wurde als einer der Schwerpunkte des Karate-Do die geistige Weiterentwicklung angesehen.

Heutzutage ist aus Karate immer mehr ein bloßer Sport geworden, bei dem die wenigsten, die ihn ausüben, den wahren Sinn dahinter zu erfassen vermögen. Dabei ist gerade das Gleichgewicht zwischen dem Geist des Karateka und den von ihm angewandten Techniken unverzichtbar. Für jemanden, der dieses hohe Ziel verfolgt, sind Höflichkeit, Bescheidenheit, Geduld, Disziplin und Absichtslosigkeit unabdingbar.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist neben Geduld ein starker Wille und tägliches hartes Training notwendig. Das Erlernen von Karate als Kampftechnik basiert auf Zusammenarbeit. Gute Trainingspartner und Achtung voreinander sind also ein Muß. Es ist daher nötig, ein Gefühl der Dankbarkeit und Freundschaft gegenüber den Trainingspartnern zu entwickeln. So wird unabhängig von den persönlichen, sozialen und nationalen Unterschieden durch Karate ein Gefühl der Partnerschaft vermittelt.

Quelle: http://uploader.wuerzburg.de/post-sv/Shito-ryu/philosophie.htm

Die Philosophie des Karate
Karate Do (Do = Weg)

Ein Weg zur körperlichen und geistigen Beherrschung des Selbst. Durch Einfluss des Zen-Buddhismus in den japanischen Budo-Künsten wurde auch das Karate beeinflusst. Das momentane, jetzige „konzentriert sein“ und die geistige Auseinandersetzung mit sich, sind im Zen die wesentlichen Ziele – und diese gehen mit den Kampfkünsten konform. Über das Lernen des Kampfes einen gewaltfreien, selbstbewussten, selbstüberwindenden und erzieherischen Weg zu beschreiten scheint vielleicht für Europäer paradox, steht für die Asiaten aber nicht im Kontrast zueinander. In Japan werden die Kampfkünste an bildenden Schulen unterrichtet, da man ihre positiven Wirkungen erkannt hat.

Die Strategien des Kampfes werden gelehrt, um in den täglichen Auseinandersetzungen zu bestehen. Durch die körperliche und geistige Auseinandersetzung, der Selbstkontrolle und der Kanalisierung von Aggression hat das Karate einen besonderen Stellenwert.

Quelle: http://www.i-defense.de/philosophie.htm

 

Wado-Ryu, Shotokan, Goyu-Ryu…


Shotokan

funkoshi

Der Begründer dieser Stilrichtung ist Gichin Funakoshi (1868 – 1957). Er wird auch als Vater des modernen Karate Do bezeichnet. „Shoto“ war Funakoshis Künstlername und bedeutet „Das Rauschen der Kiefernwipfel“. Funakoshis Dojo (Trainingshalle) wurde 1939 nach seinem Künstlernamen „Shotokan“ genannt. Fortan trug das Karate des Gichin Funakoshi den Namen „Shotokan“ (obwohl er selbst immer gegen diese Stilrichtungsbezeichnung war, denn für ihn gab es nur ein Karate).


Goju-Ryu

miyagi

Wörtlich übersetzt bedeutet Goju-Ryu „hart-weich“. Der Begründer dieser Stilrichtung ist Chojun Miyagi (1888 – 1953). Miyagi studierte zunächst chinesisches Boxen (Shao Lin Chuan und Pa Kua Chuan). Unterrichtet wurde er von Meister Higaonna. Aus dem Erlernten entwickelte er seine eigene Karatestilrichtung. Von den verschiedenen japanischen Karatestilrichtungen lässt das Goju-Ryu Karate den chinesischen Ursprung noch am deutlichsten erkennen. Chojun Miyagi ging 1929 nach Kyoto (Japan) um seine Vorstellung von Karate zu verbreiten.


Shito-Ryu

mabuni
Kenwa Mabuni (1893 – 1957) lernte Karate von den Meistern Itosu und Higonama. Er „vermischte“ beide Karaterichtungen (Shorin-Ryu und Shorei-Ryu) und gab seiner Stilrichtung den Namen Shito-Ryu. Dieser Name ist aus den Initialen seiner beiden Meister abgeleitet. Mabuni unterrichtete dieses System auf Okinawa und bei seinen häufigen Besuchen auch in Japan. 1929 ging er endgültig nach Osaka (Japan), um Karate zu unterrichten.


Wado-Ryu
ohtsuka

Wado bedeutet „der Weg des Friedens“. Hironori Ohtsuka (1892 – 1982) begann mit dem Karatetraining erst 1922. Sein Meister war Gichin Funakoshi (Shotokan). Er lernte aber auch bei Kenwa Mabuni (Shito-Ryu). Vorher hatte Ohtsuka schon das Shindo Yoshinryu Jujutsu studiert. Er entwickelte seinen Karatestil, das Wado-Ryu, in dem er Funakoshis Shotokan vor allem mit Ausweichbewegungen des Jujutsu kombinierte. Außerdem entwickelte er Bewegungen, die „körperfreundlicher“ waren. Die Bewegungen sind zudem kleiner und die Stellungen sind kürzer.

Quelle: http://www.karate-do-quedlinburg.de/karate_stilrichtungen.htm

Koryu Uchinadi

patrick_mccarthy

Bei dieser Form (auch „KU“ genannt) handelt es sich um einen relativ neuen Stil, begründet von Sensei Patrick McCarthy aus Kanada (in Australien lebend), der jahrzehnte lang die Spuren des „ursprünglichen“ Okinawa-Karate und bei mehreren Meistern studiert hat. Dieser Stil findet auch im amerikanischen und europäischen Raum immer mehr Anhänger, da es sich hier hier weniger um eine technik- als prinzipienorientierte Variation des Karate handelt. Dies führt dazu, daß sich in der Regel Trainierende der verschiedenen Stilarten relativ schnell im KU wiederfinden.